Das Festival I
Jonas bemühte sich also um mich und ich fand es wirklich großartig! Am Freitag nach meiner Trennung von Benjamin, meinem damaligen Verlobten, fuhren wir auf ein kleines Festival. Ich, Anna, Alex der Mitbewohner von Matthias und Jonas. Ich dachte diese kleine Fahrt könnte mir vielleicht helfen auf andere Gedanken zu kommen – mit der Verlobungskiste richtig abzuschließen und in meiner neuen Stadt ein “neues” glückliches Leben anzufangen. Nicht, dass ich in meiner alten Heimat nicht glücklich war, ich hatte dort tolle Freunde, die ich auch unglaublich vermisste, aber da ich ja jetzt woanders lebte, wollte ich mich damit auch sogut wie möglich arrangieren.
Glück- Ich kann wenigstens sagen, dass ich es in meinem Leben hatte und eigentlich noch habe…. Mir ist noch nie etwas wirklich schlimmes passiert. Auch wenn mir die Erfahrung mir bis jetzt immer gezeigt hat das sich alles zum Guten wendet tun die kleinen Unglücke manchmal genauso wie große! Ich war immer ein sehr positiver, überschwänglicher und auch glücklicher Mensch, doch leider habe ich dies ein bisschen verloren.
Trotzdem habe ich noch die Hoffnung, dass es wieder so sein wird und sich alles zum Guten wendet. Bekannter maßen stirbt die Hoffnung ja zuletzt. Ich hoffe einfach mal, dass es nie zum sterben dieser kommt…
Aber dazu komme ich später, ich möchte in meinem Scheitern ja nicht springen. Ich war zu diesem Zeitpunkt ziemlich glücklich! Ein Studienplatz der mir Spaß machte, Freunde die mich mochten so wie ich war und ein Mann der mich begehrte. Und eigentlich dachte ich, es würde noch besser werden. Wir fuhren also zu diesem Festival. Schon im Zug lehnte ich mich an Jonas Knie, er saß hinter mir. Keine Ahnung warum, vermutlich wollte ich austesten, ob er mich wirklich mochte. Außerdem war es einfach schön zu einem anderen Menschen Körperkontakt zu haben. Wärme, Haut und Knochen zu fühlen. Einfach spüren, dass es auch andere Menschen gab die lebten, liebten und einfach nur existieren.
Wir fuhren als erstes zu Matthias Vater in die Wohnung, in dieser dürften wir die Festivalzeit über schlafen. Dieses kleine Städtchen war einfach nur schön, idyllisch, ruhig, entspannend. Als wir dann zum Festival gingen, waren wir alle in Hochstimmung – Matthias freute sich, dass wir seine Heimatstadt so schön fanden und wir freuten uns einfach nur aus dem Alltag gerissen worden zu sein. Wir hörten uns die erste Band an und tranken dazu Wein. Nach einer weile waren wir alle ziemlich betrunken und gingen vom Festivalgelände runter an den Fluss. Dort angekommen, ging es mir plötzlich gar nicht mehr sooo gut…. Ich hätte wohl etwas zu tief ins Weinglas, bzw. in die Flasche geschaut und damit war der Abend für die nächsten Stunden erst mal gegessen. Ich lag am Wasser in Embryonalstellung und fühlte mich mies. Ich hatte das Gefühl gegen den Boden gedrückt zu werden und keine Luft mehr zu bekommen. Ich kam mir verletzlich und unendlich armseelig vor so wie ich da lag und nichts mehr tun konnte. Nach einiger Zeit wollten die meisten der Leute die mit an den Fluss gekommen sind wieder zum Festival. Ich konnte und wollte jedoch nicht. Also gingen die anderen vor, nur Jonas ist bei mir geblieben und hat mein Haar gestreichelt. Der liebevollste Augenblick den ich je mit ihm erlebt habe und vermutlich erleben werde. Irgendwann hatte er mich dann auch wieder motiviert mit ihm zurück zu den Bands zu gehen. Dort angelangt, saß ich die nächsten 2 Stunden dumpf vor mich hingestarrt. Pünktlich als die letzte Band zuende war ging es mir dann auch wieder so gut, dass ich wieder aktiv am geschehen teilnehmen konnte.
Wir blieben noch einige Zeit dort. Jonas fing mit irgendeinem Kerl ein Gespräch an, als ich mich dazu gesellte ging er. Also musste ich mit dem Fremden reden, der es nicht mal geschafft hatte mir seinen Namen zu sagen. Eigentlich war das Gespräch ziemlich unspektakulär bis auf dass er etwas gesagt hat was mein Ego unglaublich gepuscht hat. Es ging um meinen Namen und ich meinte, dass es nur blonde, tussige und dumme Mädchen mit diesem Namen gibt. Er meinte daraufhin das vor ihm gegenüber ein ziemlich hübsches und dunkelhaariges Mädchen sitzt die auch so heißt. Naja zumindest so etwas in der Art hatte er gesagt. Es ist gar nicht so einfach so etwas im nachhinein wiederzugeben J
Es passiert mir ziemlich selten, dass ein fremder Mensch mir so etwas sagt. Vielleicht habe ich es mir deshalb gemerkt und ist mir wichtig.
Als wir dann wieder in der Wohnung zurück waren, haben wir uns noch auf den Balkon, bzw. das Baugerüst, gesetzt. Es war eine unglaublich schöner Sternenhimmel. Man konnte sich regelrecht in ihm verlieren und vielleicht habe ich dies ja auch. Eine schöne Vorstellung, dass mein Herz bei den Sternen ist und nicht an Jonas verloren….
Jonas setzte sich neben mich, zumindest zuerst. Anna fragt uns wer wo schlafen möchte. Ich meinte gleich, dass ich auf der Couch schlafen würde, woraufhin Jonas meinte, dass er auch dort schlafen wollte. Anna die auch in Jonas verliebt war oder vielleicht auch ist, fand dies nicht allzu toll. Ich konnte es wirklich gut nachvollziehen, sie hat mir in diesem Augenblick unsagbar leid getan. Doch ich wusste nicht wie ich die Situation ändern sollte. Irgendwie hatte mich zu diesem Zeitpunkt Jonas schon in seinen Bann gezogen.
Jonas legte seinen Kopf auf meinen Schoß. In diesem Moment habe ich erst angefangen mir Gedanken zu machen. Ja, ich weiß ein wenig spät wenn der Typ seinen Kopf schon ziemlich nah an gewissen teilen hat, aber manchmal bin ich halt nicht die Schnellste. J
So ganz genau weiß ich auch nicht mehr was ich Gedacht habe. Es muss eine Mischung aus, er sieht gut aus, hat einen lieben, das dachte ich zumindest, Charakter und ich will nicht alleine sein, gewesen sein. Ich glaube ich wollte es einfach darauf ankommen lassen, sehen ob es funktioniert und wenn nicht, dann halt nicht.
Als wir dann schlafen gingen und nebeneinander im Bett lagen war ich eigentlich ziemlich ruhig, ich kam mir schon fast ein wenig abgebrüht, bzw. stumpf vor. Ich wusste was passieren würde. So vielen Menschen ist der erste Kuss zu einem anderen genauso passiert wie mir in diesem Moment. Es war eigentlich nichts besonderes, nicht besonders schlecht, nicht besonders gut, nicht aufregend oder exotisch einfach ein Kuss. Er wurde nur dadurch etwas besonderes, dass ich mich in diesen Kerl verliebt habe. Wäre es nur bei diesem einen Kuss geblieben hätte ich ihn vermutlich schon vergessen. Aber leider oder Gott sei Dank (!?) kann ich ihn nicht vergessen… Was so eine flüchtige Brührung der Lippen alles auslösen kann – so viel Glück, so viel Schmerz…